Wie du ein Sitzkissen mit Keder nähst

Für die Sitzbank wünschte ich mir ein durchgehendes Sitzkissen, das die gesamte Fläche bedeckt. Dadurch wirkt die Bank großzügiger, aufgeräumter und gleichzeitig deutlich gemütlicher.

Ein besonderes Detail ist der Keder (auch Paspel genannt) in einer Kontrastfarbe. Er greift die Farben der bereits vorhandenen Kissen auf, setzt einen schönen Akzent und verleiht dem schlichten Sitzkissen eine hochwertige, individuelle Optik.

Bevor es ans Nähen geht, habe ich den Schaumstoff in der passenden Größe bestellt – inklusive Wattierung und Trikotierung (Netz über der Wattierung). Das lohnt sich, denn die Wattierung sorgt für weichere Kanten und ein angenehmeres Sitzgefühl. Die Trikotierung erleichtert später das Auf- und Abziehen des Bezugs erheblich, da der Stoff besser über den Schaumstoff gleitet. Das ist besonders praktisch, wenn der Bezug regelmäßig gewaschen werden soll.

Mein Sitzkissen hat die Maße 200 cm × 38 cm × 5 cm. Den Reißverschluss nähe ich an der schmalen Rückseite ein. So bleibt er unsichtbar und das Kissen kann bei Bedarf einfach gewendet werden.

Stoff zuschneiden und Keder vorbereiten

Als Erstes schneide ich alle Stoffteile aus einem robusten Outdoorstoff zu. Ich arbeite dabei mit einer Nahtzugabe von 1 cm an allen Kanten.

Damit sich das Schaumstoffpolster später leichter in den Bezug schieben lässt, plane ich den Reißverschluss etwas länger als nötig. Er ragt auf beiden Seiten jeweils 8 cm über die hintere Kante hinaus. So lässt sich der Bezug später deutlich einfacher auf- und abziehen.

Für mein Sitzkissen benötige ich folgende Stoffzuschnitte:

  • 2 × 202 × 42 cm          Ober- und Unterseite des Kissens
  • 1 × 202 × 7 cm            Vorderer Streifen
  • 2 × 34 × 7 cm              Seitliche Streifen
  • 2 × 218 × 4,5 cm         Hintere Streifen für den Reißverschluss

Da das Kissen oben und unten einen Keder erhalten soll, benötige ich zusätzlich etwa 10 Meter Kordel mit 3 mm Durchmesser sowie Stoff in einer Kontrastfarbe – in meinem Fall Türkis. Die Stoffstreifen für den Keder schneide ich 3,5 cm breit zu.

Bevor ich mit dem Nähen beginne, versäubere ich alle Stoffkanten mit meiner Overlockmaschine. Wer keine Overlock besitzt, kann stattdessen auch einen normalen Zickzackstich verwenden.

Den Keder nähen

Zuerst fertige ich den Keder an. Dafür falte ich den Stoffstreifen links auf links der Länge nach und lege die Kordel mittig in den Bruch. Anschließend nähe ich möglichst dicht an der Kordel entlang. Das gelingt am besten mit einem Reißverschlussfuß oder einem Kantennähfuß.

Sollte ein Stoffstreifen nicht lang genug sein, können mehrere Streifen einfach miteinander verbunden werden.

Den Reißverschluss einnähen

Als Nächstes bereite ich den Endlosreißverschluss vor und fädle zunächst den Schieber auf. Ich habe 2 Schieber genommen, es reicht aber auch einer. Hier kannst du dir anschauen, wie das funktioniert:
https://youtube.com/shorts/grhselEKnqg?si=z5mYHwdkq7VUwS-U

Nun lege ich den Reißverschluss rechts auf rechts auf einen der beiden schmalen Stoffstreifen. Die Reißverschlusszähnchen liegen dabei auf dem Stoff und zeigen nach innen. Anschließend nähe ich den Reißverschluss knappkantig fest.

Sobald ich beim Nähen am Schieber angekommen bin, hebe ich den Nähfuß kurz an, schiebe den Schieber hinter den Fuß und nähe anschließend ganz normal weiter. Mit der zweiten Seite verfahre ich genauso.

Danach wird das Reißverschlussteil umgedreht und sorgfältig gebügelt. Dabei achte ich darauf, dass die Reißverschlusszähnchen genau mittig verlaufen. Anschließend steppe ich beide Seiten noch einmal knappkantig ab – das sorgt für eine saubere Optik und verhindert, dass sich später Stoff im Reißverschluss einklemmt.

Umlaufenden Streifen nähen

Nun nähe ich die beiden seitlichen Streifen rechts auf rechts an das Reißverschlussteil. Auch diese Nähte steppe ich anschließend von der rechten Stoffseite ab. Zum Schluss wird noch der vordere Streifen an die Seitenteile genäht, sodass ein geschlossener, umlaufender Seitenstreifen entsteht.

Den Keder annähen

Jetzt bekommt der umlaufende Seitenstreifen seinen dekorativen Abschluss. Der Keder wird sowohl an der oberen als auch an der unteren Kante angenäht.

Dazu lege ich den Keder rechts auf rechts an die Stoffkante. Die Kordel zeigt dabei nach innen – also in Richtung Reißverschluss. Anschließend nähe ich wieder so dicht wie möglich an der Kordel entlang. Dafür habe ich die Nadelposition meiner Nähmaschine ganz nach links verstellt, damit ich möglichst nah an der Kordel nähen kann.

Den Keder sauber verbinden

Damit der Keder später wie aus einem Stück wirkt, verbinde ich die beiden Enden besonders sorgfältig.

Ich nähe zunächst bis kurz vor den Anfang des Keders. Anschließend lege ich die Kordel an den Anfang an und schneide sie exakt auf Länge ab. Das Ende des Stoffstreifens schlage ich nach innen um und umschließt damit den Anfang des Keders. Zum Schluss schließe ich die kleine Öffnung mit einer Naht.

So entsteht ein sauberer, durchgehender Keder ohne sichtbaren Übergang. Diesen Arbeitsschritt wiederhole ich sowohl an der oberen als auch an der unteren Kante des umlaufenden Seitenstreifens.

Ober- und Unterseite annähen

Nun markiere ich mir mit Schneiderkreide die Positionen der vier Ecken auf dem umlaufenden Seitenstreifen. Diese Markierungen helfen dabei, die Ober- und Unterseite später exakt anzunähen.

Beim Annähen ist es wichtig, jeweils genau 1 cm vor der Ecke mit dem Nähen aufzuhören. Nur so bleibt die Nahtzugabe frei und der Stoff kann sauber um die Ecke gelegt werden.

Damit sich der Keder an den Ecken schön legt und keine Falten wirft, schneide ich die Nahtzugabe des Keders bis kurz vor die Naht ein. So kann sich der Streifen beim Wenden und späteren Beziehen optimal an die Ecken anpassen.

Anschließend nähe ich zunächst die Oberseite und danach die Unterseite rechts auf rechts an den umlaufenden Seitenstreifen.

Ein kleiner, aber wichtiger Tipp zum Schluss: Öffne den Reißverschluss ein Stück, bevor du die letzte Naht schließt. Ist der Reißverschluss komplett geschlossen, lässt sich der Bezug anschließend nicht mehr auf rechts wenden.

Bezug wenden und das Kissen beziehen

Jetzt kommt der schönste Moment: Der Bezug kann durch den geöffneten Reißverschluss auf rechts gewendet werden. Mit einem stumpfen Gegenstand – zum Beispiel einem Essstäbchen oder einem Kantenformer – arbeite ich die Ecken vorsichtig heraus, bis sie schön sauber geformt sind.

Anschließend ziehe ich den Bezug über das Schaumstoffpolster. Dank der Trikotierung und der Wattierung gleitet der Bezug deutlich leichter über den Schaumstoff und sitzt anschließend schön straff. Ein wenig Geduld lohnt sich – besonders bei einem 2 Meter langen Kissen.

Zum Schluss schließe ich den Reißverschluss, richte den Bezug noch einmal sorgfältig aus und streiche den Stoff glatt. Fertig ist ein maßgeschneidertes Sitzkissen, das nicht nur bequem ist, sondern mit dem farblich abgesetzten Keder auch ein echter Hingucker!

Mein Fazit

Ein selbst genähtes Sitzkissen ist zwar etwas zeitaufwendiger als ein gekauftes, dafür lässt es sich aber perfekt an die eigenen Maße und den gewünschten Stil anpassen. Gerade der kontrastfarbene Keder verleiht dem Kissen eine hochwertige, individuelle Optik und setzt einen schönen Akzent.

Mit einem strapazierfähigen Outdoorstoff aus Polyester ist das Kissen außerdem bestens für Balkon oder Terrasse geeignet. Sollte es einmal schmutzig werden, lässt der Bezug sich dank des Reißverschlusses einfach abnehmen und waschen.

Ich hoffe, diese Anleitung macht dir Lust, selbst zur Nähmaschine zu greifen. Falls du Fragen hast oder dein eigenes Sitzkissen nachgenäht hast freue ich mich über einen Kommentar oder ein Foto eures Ergebnisses.
Viel Freude beim Nähen!